Männerhort

Termine: 09.03.17.03.24.03.29.03.30.03.

Männerhort

Komödie von Kristof Magnusson

Der Pilot Helmut, Softwareentwickler Eroll und Manager Lars haben sich im Heizungskeller eines Einkaufszentrums einen Rückzugsraum eingerichtet. Dorthin verschwinden sie immer samstags, kurz vor Ende des Einkaufsbummels, gesucht von ihren einkaufslustigen Frauen. Neben Dosenbier, Fernsehen und dem Fachsimpeln über technisches Gerät bestimmen lediglich Frauen auf Hochglanzpapier ihre Idylle. Diese wird empfindlich gestört, als der vermeintliche Brandschutzexperte Mario ihren Hort der Männlichkeit entdeckt und droht, sie zu verraten.

Die zum Kult avancierte Komödie entbehrt nichts von schwarzem Humor.

Ein Lacherfolg ist (nicht nur für Männer) garantiert!

Kristof Magnusson ist eine moderne Komödie mit tiefgründigen Witz, szenischer lronie und herrlichem Blödsinn gelungen.

Männerhort erschien im Herbst 2002 beim Verlag der Autoren.

Es spielen:

Tim Feindt

Thomas Glashoff

Thomas Lagerpusch

Lorenz Schmidt

Regie: Angelika Strub



Kritik – Hamburger Abendblatt

Keller-Cowboys im Klischeekarussell

Quelle: http://www.abendblatt.de/region/pinneberg/article2107872/Keller-Cowboys-im-Klischeekarussell.html
Wedel. Sie jagten Lachsalven durch den voll besetzten Zuschauerraum der Batavia. Sie spielten mit Herzblut, kalauerten sich höchst amüsant durch die Beziehungsnöte mittelalter (Ehe-)Männer. Zwei kurzweilige Theaterstunden lang ritten Lorenz Schmidt, Thomas Lagerpusch, Thomas Glashoff und Tim Feindt als kreative Keller-Cowboys bei der Premiere der Komödie “Männerhort” auf dem Wedeler Theaterschiff das breite Panorama der Klischees ab, die das Frauen- und Männerbild westlicher Mittelschichtgesellschaften bestimmen.

Genüsslich beschreibt das Bühnenquartett in der Inszenierung von Angelika Strub den tiefen Graben, der Frauen im Dauershoppingwahn von ihren Technik-, Fußball und Bierbegeisterten Partnern zu trennen scheint. Und den die Herren, die in dem nüchternen Heizungskeller eines Einkaufszentrum ihr heimliches Refugium eingerichtet haben, nur zu Beginn als Schutzwall begreifen. Schon bald versuchen sie ihn mit Verzweiflungsmaßnahmen am Rand zur Clownerie zu überwinden.

Die Stärke der Komödie liegt zum einen im rasanten Wortwitz der bissigen Dialoge und der mit genretypischen Überraschungen gespickten Handlung, zum anderen in der ungewöhnlichen Perspektive: Sie verdichtet das weite Schlachtfeld ehelicher Beziehungskriege zum buchstäblichen Kammerspiel in einer extrem beengten, anti-wohnlichen Höhle, deren Ausstattung mit Pornobildchen, Fußballpostern und – Kompliment an Bühnengestalter und Batavia-Chef Hannes Grabau – einem Riesenstapel leerer Pizzaschachteln überdeutlich pubertäre Züge trägt.

Der Heizungskeller bildet das Schlüsselloch, durch das die Zuschauer Zeugen der dramatischen Verstrickungen der Protagonisten werden. Die Herausforderung an die Bühnencrew bestand darin, die Komplexität dieser Außenwelt auf 20 Quadratmeter nüchternen “Heizungskeller” zu übertragen. Das klappte.

Besonders Schmidt als Pantoffelheld Eroll und Lagerpusch als narzisstischer Obermacho Lars punkteten mit ihrer authentischen Darstellung. Der eine mutiert vom ewigen Verlierer, den selbst seine angeblichen Kellerkumpels nur äußerst selten für voll nehmen, zum heimlichen Frauenheld. Der andere geht den umgekehrten Weg: Hinter der großmäuligen Fassade versteckt sich ein gehörnter, zutiefst verunsicherter Mann.

“Männerhort” läuft noch bis in den März 2012. Genaue Termine sind unter www.batavia-wedel.de zu finden. Karten zu jeweils 15 Euro gibt es unter der Telefonnummer 04103/858 36. (paw)




Kritik – Wedel-Schulauer-Tageblatt

Fußball kontra Shoppen

http://www.wedel-schulauer-tageblatt.de/artikel/article//fussball-kontra-shoppen.html?cHash=847d81f368&no_cache=1&sword_list[0]=batavia
WEDEL. Einkaufen mit Frauen? Bloß nicht! Das Wort “Shopping” muss nur fallen, und schon drehen sich die Augen von Erol (Lorenz Schmidt), Helmut (Tim Feindt), Lars (Thomas Lagerpusch) und Mario (Thomas Glashoff) genervt gen Himmel. Die 2003 entstandene Komödie “Männerhort” von Kristof Magnusson feierte im ausverkauften Schiffsbauch auf der Batavia Premiere. Trotz Klischees schafft es das Stück, Männern wie Frauen den Spiegel vorzuhalten – und sie zum Lachen über sich selbst zu bringen. Mit viel Wortwitz und einer Inszenierung, die die Pointen punktgenau setzte, begeisterte “Männerhort” sein Publikum.

Um sich von der sonnabendlichen Shopping-Tortur zu erholen, hat sich Pilot Helmut in einem Heizungskeller des Einkaufszentrums einen geheimen Männerraum eingerichtet. Auch seine Freunde Lars, ein Business Boss, und Errol, ein Softwareentwickler, kommen regelmäßig in den Raum, der typisch männlich eingerichtet ist: Ein Sofa, ein Kühlschrank gefüllt mit Bier, ein Fernseher – mehr brauchen die Drei nicht zum Glücklich sein.

Neben den neuesten Fußballergebnissen stehen natürlich die Tücken des Einkaufsbummels auf der Tagesordnung der Gespräche: Im Männerhort können sich Helmut, Lars und Errol endlich einmal richtig über ihre Probleme auslassen. Gestört wird ihre Idylle, als Brandschutzexperte Mario ihren Zufluchtsort entdeckt und droht, sie zu verraten. Doch schnell stellt sich heraus, dass auch er ein Frauenproblem hat – und jemanden zum Reden braucht.

Rausgeschmissen:

Keller wird Notquartier

Gemeinsam entwickeln sie die “Formel-Eins”-Formel: So schnell wie möglich durchs Einkaufszentrum. Aber das geht nicht gut: Alle vier werden von ihren Frauen rausgeworfen, und nun wird der Männerhort zur Notunterkunft. Schließlich droht ihnen sogar die Entdeckung – durch die Frauen. Am Ende jedoch wendet sich in der Komödie natürlich alles zum Guten.

“Mir hat die Arbeit an Männerhort sehr viel Spaß gemacht”, lobte Regisseurin Angelika Strub die Schauspieler. Sie habe das Stück ausgewählt, weil es mitten im Leben spiele. Und – ganz wichtig – weil “die Männer” es spielen wollten. “Jeder hat sich dann auch seine eigene Rolle ausgesucht. So entspannte Proben habe ich selten erlebt”, sagte Strub.

Besonders überzeugten die Darbietungen Thomas Lagerpuschs in der Rolle des hinterhältig-arroganten Lars sowie Tim Feindt als oberflächlich selbstsicherer Helmut. Textsicher und charmant gelang es ihnen beiden, den schwarzen Humor des Stückes herauszustellen und gleichzeitig auf heitere Weise zum Nachdenken über ernste Themen anzuregen, wie etwa Scheidung und Selbstmord, die durchaus im Themenkatalog auftauchen.

Dass das Stück auf etliche Klischees zurückgreift – Einkaufen mit Frauen dauert mindestens fünf Stunden und Männer haben nur Fußball und Sex im Kopf -, erscheint nur im ersten Moment als Schwäche. Denn gerade durch die gnadenlose Übertreibung der Stereotypen kann der Zuschauer sich erst über die Schauspieler und letztlich dann auch über sich selbst lustig machen.