Die Grönholm-Methode
Die Grönholm-Methode
Schauspiel von Jordi Galceran
Chefetage eines internationalen Unternehmens. Es geht um einen äußerst attraktiven Posten mit sechsstelligem Gehalt. Vier Bewerber haben die Endrunde des Auswahlverfahrens erreicht. Abgeschottet von der Außenwelt treffen drei Männer und eine Frau aufeinander. Jetzt geht es ums Ganze.
Gesucht wird jemand, der hinter seinem seriö-sen Erscheinungsbild skrupellos ist, aber den Eindruck macht, einfühlsam zu sein, also nicht ein Schaf im Wolfspelz, sondern ein Wolf im Schafspelz. Soviel sei verraten: Nach zehn Minuten kommt die erste Überraschung, einer der Versammelten ist kein Kandidat, sondern Mitarbeiter der Personalabteilung. Aber wer? Absolute Selbstkontrolle und gedankliche Schärfe sind gefragt. Die fachlichen Qualifikationen sind unstrittig, nun werden emotionale Belastbarkeit, soziale Kompetenz und Führungsqualität geprüft. Ein Spiel mit harten Bandagen gewinnt an Fahrt und testet die Kandidaten in Grenzsituationen. Wie weit wird jeder gehen, um den Gegenkandidaten auszuschalten? Was ist moralisch noch zu vertreten und wie viel Selbstachtung bleibt am Ende, wenn Geld und Macht locken? Zum Schluss bleibt einer übrig – als Sieger, wie er glaubt. Aber das Stück nimmt eine nicht vorhersehbare Wendung.
Der Autor analysiert so zynisch wie unterhaltsam die menschenverachtenden Vorgänge, die heute in Vorstellungsgesprächen angewendet werden und wirft gleichzeitig ein bezeichnendes Licht darauf, was jeder von uns bereit ist, im Kampf um die immer rarer werdenden Traumjobs auf sich zu nehmen und anderen anzutun.
Es spielen:
Evi Albrecht
Tim Feindt
Thomas Lagerpusch
Lorenz Schmidt
Regie: Angelika Strub
Foto: Patrick Naschlenas
Plakat: Ben Schmitt
Pegasus Theater- und Medienverlag GmbH
Pressestimmen
Da werden Manager zu Hyänen – Wedel Schulauer Tageblatt
12. Januar 2010 | 00:15 Uhr | von Eike Pawelko | Original Artikel
Bitterböse Satire, freche Komik, abgefeimte Tricks: Das Quartett lieferte sich bei der restlos ausverkauften Premiere auf der Batavia einen Psycho-Krieg erster Güte. Das Szenario: Ein sechsstellig dotierter Spitzenjob ist zu vergeben. Die letzten vier “Überlebenden” des harten Auswahlverfahrens treffen in einem geschlossenen Raum aufeinander. Zum Showdown, in dem die Bewerber sich abgeschottet von der Außenwelt gegenseitig ausstechen sollen. Lügen gehört zum Spiel, erfolgreiche Manipulation gilt als Tugend. Was zählt, ist das Ergebnis – aggressiv gehen die Konkurrenten in befremdlichen Rollenspielen aufeinander los.
Atmosphäre voll unterschwelliger Gefahr
Dabei schafft Regisseurin Angelika Strub vom ersten Moment an eine Atmosphäre unterschwelliger Gefahr im Saal. Niemand ist sicher, nichts ist, wie es scheint. Schnell wird klar – mindestens einer der angeblichen Bewerber beobachtet in Wirklichkeit im Auftrag des Unternehmens verdeckt die Konkurrenten. Aber wer?
Die Figur des beinharten Zynikers, der skrupellos und genüsslich jeden fertig macht, der ihm auf dem Weg an die Fleischtöpfe des Kapitalismus im Weg zu sein scheint, ist eine Paraderolle für Lorenz Schmidt. So grandios verkörpert er den dissozialen Widerling mit Bügelfalte, dass sich dem Zuschauer vor Wut die Nackenhaare aufstellen.
Andererseits sind seine rücksichtslosen Kommentare oft Garanten für spontane Lacher im Publikum. Gipfel der Komik: Schmidt als heuchlerischer Ego-Pfaffe mit lila Bischofsmütze.
Das Stück läuft bis in den April, die nächsten Vorstellungen sind am 16., 22. und 30. Januar auf dem Theaterschiff Batavia. Um 20.30 Uhr öffnet sich jeweils der Vorhang, der Eintritt kostet 13 Euro. Vorverkauf an Bord und beim Tageblatt, Bahnhofstraße 65.
