Das Kultstück – Der Vorname

von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière

Der Literaturprofessor Pierre und seine Frau Elisabeth freuen sich auf ein gemütliches Diner mit Freunden und Familie. Eingeladen sind Vincent, Pierres Jugendfreund und Elisabeths Bruder mit seiner schwangeren Frau Anna sowie der Posaunist Claude, mit dem Elisabeth seit ihren Kindertagen befreundet ist.

Vincent enthüllt den fassungslosen Freunden den geplanten Vornamen seines noch ungeborenen Sohnes: Adolphe. Die Debatte um die Frage, ob man sein Kind nach Hitler benennen darf, ist nur eine der hitzigen Diskussionen dieses Abends, aber sie führt dazu, dass das bisher so gemütliche Familientreffen plötzlich aus dem Ruder läuft.

Denn die Jugendfreunde Pierre und Vincent sind nun in der Laune, sich endlich einmal ein paar Wahrheiten zu sagen, die man im Interesse eines gedeihlichen Zusammenlebens besser verschweigen würde. Beträchtliche Eitelkeiten treffen aufeinander, mit geschwollenen Kämmen hacken die Kampfhähne aufeinander ein.

Wortwitz und Dialoge in der besten Tradition der französischen kritischen Gesellschaftskomödie treiben atemlos eine Handlung voran, die bei aller Komik und Pointensicherheit auch manchen Blick in die Abgründe der Figuren erlaubt. Komisch und böse zugleich.

Personen

RegieAngelika Strub
Es spielenStefani Beckmann, Evi Albrecht, Tim Feindt, Thomas Lagerpusch, Lorenz Schmidt
EinspielungenSophie Moreau
Maske und KostümeHelga Brunner
BühnenbildHannes Grabau
TonNele Bieringer

Presse-Artikel zur Veranstaltung

Theater in Wedel – Furioser Namensstreit beim Dinner

Wedel-Schulauer Tageblatt - Montag, 20.01.2014

von Heike Roland

Geglückte Premiere auf der Batavia: Publikum feiert das Ensemble für Interpretation der Komödie „Der Vorname”

„Das war echt ein Kotzbrocken“ sagte die Zuschauerin, als sie über den Steg der „Batavia“ wieder an Land stöckelte. Was sich nach Hafenkneipenslang der untersten Kategorie anhört, sollte das größte Kompliment sein, was man einem Schauspieler machen kann. In der Komödie „Der Vorname“ agierten manche Akteure so gekonnt, dass sie ihre Rolle nicht spielten, sondern die entsprechende Person wirklich verkörperten. Lang anhaltender Applaus war der Lohn nach der Premiere

Alles beginnt ganz harmlos. In einer kleinen Pariser Wohnung haben der Literaturprofessor Pierre (Lorenz Schmidt) und seine Frau Elisabeth (Stefanie Beckmann) drei Freunde zu einem zwanglosen Dinner eingeladen. Sie kennen sich gut und lange, teilweise schon 30 Jahre. Vincent (Thomas Lagerpusch) ist Elisabeths Bruder und bringt seine Partnerin Anna (Evi Albrecht) mit. Fünfter in der Runde ist Claude (Tim Feindt), Musiker und Single

Kultstück begeistert auch in Wedel

Als Vincent verkündet, dass seine Anna mit einem Sohn schwanger sei, ist die Freude erst groß, schlägt dann aber ins krasse Gegenteil um, als nach einem Ratespiel der geplante Vorname bekannt wird: Das Paar hat sich nach einer berühmten Romanfigur für „Adolphe“ entschieden. Und die Freunde sind entrüstet: Hitler als Namenspatron – eine Ungeheuerlichkeit!

Es entwickelt sich eine hitzige Debatte mit Argumenten im für und wider. Vincent meint: „Er hat uns Elsass und Lothringen genommen, aber nicht unsere Vornamen!“ Auch die legendäre Hitler-Parodie von Charlie Chaplin wird zu Rate gezogen. Und man erkennt, dass Kinder auch nicht Josef (Stalin) oder Jack (the Ripper) genannt werden dürfen. Im Chaos um „Adolphe“ ziehen alsbald böse Spitzzüngigkeiten, derbe Scherze und entwaffnende Pointen ihre Kreise.

Und schon geht es nicht mehr nur um den Vornamen. Die Debatte eskaliert in alle denkbaren thematischen Richtungen. Der als gemütliches Dinner geplante Abend existiert nicht mehr, rund um den Tisch und die verschiedenen Gänge wogt eine Schlacht „jeder gegen jeden“. Und das Publikum im Bauch der Batavia fühlt sich mehr als Nachbar, der das Ganze miterlebt, denn als Zuschauer.

Letzteres liegt an der Eindringlichkeit, mit der das Ensemble zu Werke geht. Dabei überzeugten vor allem Lagerpusch in der Rolle des Vincent und Feindt als Claude. Beckmann und Schmidt, das Gastgeberpärchen, stand phasenweise etwas zurück, was aber nicht zum Nachteil gereichte.

Angelika Strub als Regisseurin legt eine mitreißende Komödie hin, bei der die zwei Stunden im Fluge vergehen. Das Bühnenbild von Hannes Grabau war stilistisch bis ins kleinste Detail ein Volltreffer und die Kostüme von Helga Brunner trugen ebenso dazu bei, dass die verschiedenen Charaktere ohne Einschränkung glaubwürdig waren.

So wollte der Applaus bei der Schlussaufstellung kein Ende nehmen. Die Kommentare reichten von „toll“ über „super“ bis hin zu „großartig“. Dabei gab es während der Aufführung durchaus das eine oder andere leichte Verhaspeln. Aber das ist bei der Aufregung, die eine Premiere mit sich bringt, locker zu entschuldigen, zumal es dem großen Ganzen keinen Abbruch tut.

„Der Vorname“ von Matthieu Deleporte und Alexandre de la Patellière gilt als Kultstück. Kein Wunder also, dass zwei weitere Aufführungen bereits ausverkauft sind. Das Stück wird bis Ende April gespielt. Liebhaber guten Theaters sollten sich die Chance auf diesen Leckerbissen auf der Batavia nicht entgehen lassen.

 

Premiere für gnadenlose Abrechnung am kalten Buffet

Hamburger Abendblatt - Montag, 20.01.2014

von Eike Pawelko

Wedel. Anfangs genießen die fünf etablierten Pariser Großbürger, verwandtschaftlich und freundschaftlich aufs Engste verbunden, ihr Dasein in der ihrer Ansicht nach besten aller Welten. Sie haben Geld, Prestige, Einfluss. Sie geben den gesellschaftlichen Ton an und platzen beinahe vor eitler Selbstzufriedenheit.

Nur ein desaströses Abendessen später stehen sie buchstäblich vor den Trümmern dieses Universums, ihrer Freundschaft und ihrer Überzeugungen. Dazwischen verfliegen knapp zwei Bühnenstunden in einem brillant gespielten, enorm komischen Wirbel voller scharfzüngiger Wortscharmützel, pointierter Blickduelle und turbulenter Überraschungen. Und das ganze Gewitter entzündet sich an der Wahl eines provokanten Namens für ein ungeborenes Kind.

Keine Frage, die französische Gesellschaftskomödie Der Vorname ist eine Steilvorlage für das Ensemble der Batavia. Und die spielfreudigen Experten für hintersinnige Zwischentöne und abgründige Doppelbödigkeiten nutzten diese Großchance, zogen bei der absolut zu Recht gefeierten Premiere auf dem ausverkauften Wedeler Theaterschiff alle Register ihres Könnens. Unter der Regie von Angelika Strub verwandelten die Routiniers den Kultstoff der Autoren Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière in eine Sternstunde der Bühnenkunst. Die Batavisten stehen ja ohnehin für solide Theaterqualität. Aber der Vorname, erfolgreich, wenn auch nicht unbedingt clever verfilmt und ein Kassenknüller für Europas Renommierbühnen, zählt zu den stärksten Inszenierungen, die die Mini-Bühne im niedrigen Unterdeck des ehemaligen Kanonenboots in den vergangenen Jahren geboten hat.

Lorenz Schmidt, Thomas Lagerpusch, Stefani Beckmann, Evi Albrecht und Tim Feindt verleihen ihren Figuren scharf gegeneinander abgegrenzte, ausgesprochen glaubwürdige Lebendigkeit. Vor allem die geschliffenen Wortwechsel der beiden Jugendfreunde Pierre (Schmidt) und Vincent (Lagerpusch) pfefferten und beschleunigten die Katastrophe, die sich über dem gediegenen Buffet zusammenbraute. Und Feindts traditionelle Neigung zu einem eher verhaltenen Spiel ist in seiner Rolle als als gutmütiger Claude einfach Gold wert.


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